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22.-24. Juni 2015
3-Tages-Seminar für Lehrkräfte in Dillingen

17. Oktober 2015
Bayerisches Schulsani-Symposium in München

09.-11. November 2015
3-Tages-Seminar für Lehrkräfte in Dillingen


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Inhalt:

  • Vorschriften über die Erste-Hilfe an Schulen
  • Ist ein Schulsanitätsdienst in Bayern vorgeschrieben?
  • Welche Maßnahmen sind dem Schulsanitätsdienst rechtlich erlaubt?
  • Welche Erste-Hilfe-Ausstattung ist an Schulen vorgeschrieben?
  • Dokumentation von Notfällen und Hilfeleistungen an Schulen
  • Wer ist bei einem Notfall verantwortlich?
  • Muss der Schulsanitätsdienst-Betreuer bei jedem Einsatz anwesend sein?
  • Kann ein Schulsanitäter/die betreuende Lehrkraft bei Fehlern rechtlich belangt werden?
  • Darf ein Schulsanitäter Medikamente geben?
  • Darf ein Schulsanitäter Desinfektionsmittel für Wunden anwenden?
  • Darf eine Lehrkraft Medikamente geben?
  • Darf ein Schüler mit einem Privatauto zum Arzt gebracht werden?
  • Dürfen größere Schulveranstaltungen vom Schulsanitätsdienst betreut werden?
  • Vorschriften über die Erste-Hilfe an Schulen

    §21 Sozialgesetzbuch VII und §10 Arbeitsschutzgesetz schreiben vor, dass an Schulen „eine wirksame Erste Hilfe sicherzustellen [ist]“ (vgl. Ref. [2], S.3). In der Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus „Sicherheit in der Schule und gesetzliche Schülerunfallversicherung“ (KM-Bek vom 11.12.2002 Nr. 1/2003) wird die Umsetzung dessen in die Verantwortlichkeit des Schulleiters – im Zusammenwirken mit dem Sachaufwandsträger der Schule – gelegt.

    Dabei sind „die sachlichen Voraussetzungen zur Ersten Hilfe“ vom Sachaufwandsträger der Schulen zu schaffen, die Organisation der Ersten Hilfe ist Aufgabe der Schulträger, vertreten durch die Schulleiter (vgl. Ref. [2]).

    Ist ein Schulsanitätsdienst in Bayern vorgeschrieben?

    Nein. Es gibt keine Vorschrift, dass an einer Schule ein Schulsanitätsdienst existieren muss. Allerdings wird der Schulsanitätsdienst an verschiedenen Stellen erwähnt und begründet:

  • In der GUV – Information „Erste Hilfe in Schulen“ (vgl. Ref. [2]) wird der Schulsanitätsdienst als „eine Organisationsform für Erste Hilfe in der Schule“ bezeichnet.

  • In der Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus „Ausbildung von Schülern in Erster Hilfe“ (Ref. [1]) wird die Ausbildung von Schülern in Erster Hilfe als Notwendigkeit gesehen; dabei wird der Schulsanitätsdienst als eine (besonders gute) Möglichkeit beschrieben, dies umzusetzen.

  • Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus hat in einem KMS im Mai 2012 das Ziel definiert, dass an allen bayerischen Mittelschulen, Realschulen und Gymnasien ein Schulsanitätsdienst eingerichtet werden soll, da Schulsanitätsdienste die Sozialkompetenz fördern und einen wertvollen Beitrag zur Sicherheit an der Schule leisten (vgl. Ref. [5]).

    Welche Maßnahmen sind dem Schulsanitätsdienst rechtlich erlaubt?

    Der Schulsanitätsdienst leistet Erste Hilfe, d.h. erlaubt sind prinzipiell alle Maßnahmen, die zur Ersten Hilfe gehören - also das Verbinden von Wunden, die richtige Lagerung eines Patienten, die Herz-Lungen-Wiederbelebung etc. Weitere Maßnahmen werden zum Teil akzeptiert, wenn sie von Vorteil für die Versorgung sind und vor allem dem Patienten keinen Schaden zufügen können. Darunter fallen das Messen des Blutdruckes mit einer Armmanschette sowie das Anlegen von Schienen bei Knochenbrüchen. Voraussetzung sind die sichere Beherrschung dieser Maßnahmen und die sachgerechte Anwendung.

    Auch die Verwendung eines Automatischen Externen Defibrillators (AED) im Rahmen einer Herz-Lungen-Wiederbelebung ist Teil der Laienhilfe und daher dem Schulsanitäter erlaubt und zwar ohne Einweisung nach Medizinproduktegesetz. Trotzdem ist natürlich das Einüben der Handhabung mittels eines Trainings-AED sinnvoll. Fragen Sie hierfür Ihre betreuende Hilfsorganisation.

    Maßnahmen, die dem Patienten schaden können, wie die Beatmung mit Maske und Beatmungsbeutel, oder aber invasive Maßnahmen wie die Blutzuckermessung, das Einführen eines Larynxtubus oder das Legen eines venösen Zuganges sind dem professionellen Personal vorbehalten. Selbst wenn der Schulsanitäter diese Maßnahmen im Rahmen eines Sanitätshelferlehrganges oder eine weiterführenden Ausbildung erlernt und geübt hat, darf er diese im Rahmen des Schulsanitätsdienstes nicht anwenden!

    Welche Erste-Hilfe-Ausstattung ist an Schulen vorgeschrieben?

    Vorgeschrieben sind von der gesetzlichen Unfallversicherung (in Bayern: Bayerischer Gemeindeunfallversicherungsverband, Unfallkasse München und Landesunfallkasse Bayern) Meldeeinrichtungen, die es während der Betriebszeiten der Schule jederzeit ermöglichen, einen Notruf abzusetzen. Diese „befinden sich in zentraler Lage und zusätzlich in Bereichen mit erhöhter Gefährdung (z.B. Sport- und Schwimmhalle, naturwissenschaftliche Unterrichtsräume, Werkräume und Fachräume gewerblicher Berufsfelder in berufsbildenden Schulen)“. An der Meldeeinrichtung ist ein Aushang mit den relevanten Rufnummern anzubringen (vgl. Ref. [2], S.4).

    Ebenso vorgeschrieben ist ein Raum im Sportbereich mit einer Liege und einer Krankentrage nach DIN 13024, der entsprechend zu kennzeichnen ist. Weiterhin soll in jeder Schule „ein Raum zur Verfügung stehen, in dem Personen betreut werden können. Dieser soll für den Rettungsdienst gut zugänglich und mit fließendem Wasser ausgestattet sein.“

    Zum Erste-Hilfe-Material gibt es lediglich Empfehlungen.

    Wichtig: „Medikamente und Desinfektionslösungen sind kein Erste-Hilfe-Material und dürfen deshalb nicht verwendet werden.“

    Dokumentation von Notfällen und Hilfeleistungen an Schulen

    Alle medizinischen Notfälle an Schulen müssen dokumentiert werden. Für Verletzungen und Erkrankungen, bei denen kein Arztbesuch erfolgt, müssen Notfall und Behandlung z.B. in einem von den Unfallversicherungsträgern erhältlichen Verbandbuch, einer PC-Datei oder durch Protokolle der Schulsanitäter dokumentiert werden. So kann einerseits "bei Spätfolgen ... der schulische Zusammenhang nachgewiesen werden", andererseits wird "dokumentiert, dass die Schulleitung bzw. die Lehrkraft ihrer Verpflichtung zur Erste-Hilfe-Leistung nachgekommen ist." Die Aufzeichnungen sind für Dritte unzugänglich fünf Jahre lang aufzubewahren. (vgl. Ref. [2], S.11)

    Die Aufzeichnungen sollten Angaben zu Zeit, Ort (Gebäudeteil), Hergang des Unfalls, Unfallfolgen, Zeitpunkt und Art der Erste-Hilfe-Maßnahmen, Namen des Verletzten, Namen der Zeugen, Namen der Personen, die Erste Hilfe leisteten, enthalten. Gleiches gilt für akute Erkrankungen.

    Bei allen Schulunfällen, bei denen ärztliche Behandlung in Anspruch genommen wird, muss die Schule eine von der Schulleitung unterschriebene Unfallanzeige erstellen (genaues Procedere siehe Ref. [2], S.10). Ausgenommen hiervon sind Unfälle verbeamteter Lehrkräfte, da diese nicht über die Berufsgenossenschaft versichert sind. Dennoch sollte auch bei diesen Unfällen ein Protokoll erstellt werden, um Unfallhergang, Hilfeleistung etc. zu dokumentieren. Die Unfallanzeige ersetzt den Eintrag im Verbandbuch. Der Sicherheitsbeauftragte erhält Kenntnis vom Unfallgeschehen an der Schule, um ggf. die Unfallverhütung an der Schule zu optimieren.

    Für Notfälle, bei denen ein Rettungsdienst/Notarzt involviert ist, sollte ein Einsatzprotokoll geschrieben werden, das den Eintrag im Verbandbuch ersetzt. Das Protokoll dient der Zusammenfassung relevanter Informationen für die eigene Arbeit und für den Rettungsdienst (vgl. Ref. [5]). Ein Beispiel für ein Protokoll für Schulsanitätsdienst-Einsätze finden Sie als pdf- und Word-Dateien in unserem Forum.

    Wer ist bei einem Notfall verantwortlich?

    Die Mitwirkung im Schulsanitätsdienst erfolgt lt. Staatsministerum für Unterricht und Kultus „unter Anleitung einer Lehrkraft“ (vgl. Ref. [1], S.5). Die Verantwortung über die ergriffenen Maßnahmen der Ersten Hilfe liegt folglich bei dieser anleitenden Lehrkraft. Dies gilt auch im Fall von Meinungsverschiedenheiten zwischen der Lehrkraft und z.B. notfallmedizinisch „höher“ ausgebildeten Schulsanitätern.

    Grundsätzlich ist natürlich JEDER verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten. Daher entbindet ein gut funktionierender Schulsanitätsdienst natürlich die Lehrkräfte nicht von ihrer Pflicht, sich regelmäßig fortzubilden (vgl. Ref. [2], S.14), und bei Notfällen bis zum Eintreffen des Schulsanitätsdienstes bzw. des Rettungsdienstes Erste Hilfe zu leisten. Nach Möglichkeit sollten auch die übrigen Schüler eine Ausbildung in Erstes Hilfe erhalten und zum Helfen angehalten werden. (vgl. Ref. [1])

    Muss der Schulsanitätsdienst-Betreuer bei jedem Einsatz anwesend sein?

    Wie im vorhergehenden Abschnitt beschriebenm erfolgt die Erste Hilfe-Leistung der Schulsanitäter „unter Anleitung einer Lehrkraft“ (vgl. Ref. [1], S.5). Die Anwesenheit der betreuenden Lehrkraft ist aber je nach Alter, Reife und Ausbildung der Schulsanitäter nicht unbedingt "physisch" erforderlich, die Schulsanitäter müssen sich lediglich beaufsichtigt fühlen und entsprechend handeln.

    Kann ein Schulsanitäter/die betreuende Lehrkraft bei Fehlern rechtlich belangt werden?

    Nein. Für Fehler bei der Ersten Hilfe kann man weder straf- noch zivilrechtlich belangt werden. Die Schulsanitäter sind über die Schule versichert. Dies gilt allerdings nicht für Handlungen, die sich den Anweisungen der verantwortlichen Lehrkraft widersetzen und den Patienten mutwillig schädigen oder verletzen.

    Ebenso wenig kann die betreuende/beaufsichtigende Lehrkraft bei Fehlern rechtlich belangt werden. Ausnahmen sind auch hier das Unterlassen von Hilfeleistungen (vgl. §323 StGB) sowie Handlungen, die den Patienten mutwillig schädigen oder verletzen.

    Darf ein Schulsanitäter Medikamente geben oder Desinfektionsmittel verwenden?

    Nein! „Medikamente und Desinfektionsmittel sind kein Erste-Hilfe-Material und dürfen deshalb nicht verwendet werden.“ (vgl. Ref. [1], S.5) Diese Regelung ist nicht nur vom Gesetz her begründet, sondern auch aus medizinischer Sicht sehr sinnvoll: Auf nahezu alle Medikamente und Desinfektionsmittel sind allergische / Unverträglichkeitsreaktionen bekannt, teilweise bis zum allergischen Schock.

    Also: Die Anwendung von Tabletten, Sprays, Salben, Gels, Desinfektionsmittel etc. ist dem Schulsanitäter nicht erlaubt!(Davon ausgenommen ist natürlich der Gebrauch von Händedesinfektionsmittel für die eigenen Hände zur Vermeidung der Krankheitsübertragungen.)

    „Die Medikamentierung bei chronischen Erkrankungen auf Wunsch der Eltern ist keine Erste-Hilfe-Maßnahme und deshalb nach ärztlichen Angaben zulässig.“ (vgl. Ref. [1], S.5) Die Medikamentierung muss allerdings durch die Lehrkraft bzw. unter deren Aufsicht erfolgen (vgl. nächster Abschnitt).

    Darf eine Lehrkraft Medikamente geben?

    Diese Frage kommt nicht nur im Bezug auf den Schulalltag, sondern vor allem auf Klassenfahrten, Skilager etc. häufig auf. Darf ich einem Schüler eine Kopfschmerztablette geben? Darf ich eine Prellung am Knie z.B. mit einer Voltarensalbe versorgen? Generell gilt auch hier: Nein! Selbst bei Mitteln, die weder der ärztlichen Verschreibungs-, noch der Apothekenpflicht unterliegen, ist Vorsicht geboten, da auch bei der Applikation von z.B. Arnikasalbe Unverträglichkeitsreaktionen auftreten können.

    Wenn bei einem Schüler vor der Klassenfahrt bereits bekannt ist, dass dieser häufiger Kopfschmerzen bekommt, Probleme mit Erkältung hat etc., sollten entsprechende Mittel, die das Kind zu Hause auch nimmt (also deren Verträglichkeit auch schon bekannt ist), von den Eltern mitgegeben werden.

    „Die Medikamentierung bei chronischen Erkrankungen auf Wunsch der Eltern ist keine Erste-Hilfe-Maßnahme und deshalb nach ärztlichen Angaben zulässig.“ (vgl. Ref. [1], S.5), d.h. etwa bei der Einnahme des patienteneigenen Asthmasprays bei einem Asthmaanfall im Sportunterricht darf die Lehrkraft behilflich sein. Im Vorfeld sollten allerdings von Eltern und behandelndem Arzt genaue Angaben für Notfall, Menge und ggf. Applikation des Arzneimittels schriftlich fixiert werden. Die Applikation ist für die Lehrkraft nicht verpflichtend - sie kann sich weigern, falls sie Bedenken hat, den Notfall nicht richtig einschätzen zu können etc.

    Darf ein Schüler mit einem Privatauto zum Arzt gebracht werden?

    Im Prinzip kann ein verletzter oder erkrankter Schüler durch eine Lehrkraft, die Sekretärin, den Hausmeister etc. in dessen Privatauto zum Arzt gebracht oder z.B. auch vom Krankenhaus abgeholt werden - dies ist weder rechtlich noch versicherungstechnisch ein Problem. Allerdings sollte dies wirklich nur bei Bagatell-Notfällen, bei denen keinerlei Verschlechterung des Zustandes auf dem Transport zu erwarten ist, erwogen werden. Besser ist der Transport per Taxi, da die Begleitperson dann auch während der Fahrt für die Betreuung des Schülers sorgen kann. Die Fahrtkosten werden vom Unfallversicherer im Nachhinein übernommen.

    Bei allen Notfällen, bei denen eine unmittelbare notfallmedizinische Versorgung des Patienten notwendig ist oder aber nicht gewährleistet ist, dass sich der Zustand des Patienten nicht auf dem Transport verschlechtern könnte, sollte der Rettungsdienst alarmiert werden!

    Dürfen größere Schulveranstaltungen vom Schulsanitätsdienst betreut werden?

    Der Schulsanitätsdienst übernimmt laut Kultusministerium auch bei „Schulsportveranstaltungen und Wandertagen sowie sonstigen schulischen Veranstaltungen“ die Erste Hilfe-Leistung. In wie weit die alleinige notfallmedizinische Absicherung einer größeren Schulveranstaltung durch den Schulsanitätsdienst sinnvoll ist, hängt grundsätzlich von der Art und Größe der Veranstaltung sowie von Alter und Ausbildungsstand der Schulsanitäter ab. Bei Veranstaltungen, bei denen aufgrund der Teilnehmerzahl oder des Gefahrenpotentials ein Sanitätsdienst vorgeschrieben ist, muss der Sanitätsdienst diesen Forderungen entsprechen, was meist durch den Schulsanitätsdienst allein nicht zu leisten ist.

    Lassen Sie sich von Ihrer betreuenden Hilfsorganisation beraten. Ein gemeinsamer Einsatz mit dem Schulsanitätsdienst vor Ort fördert die Zusammenarbeit und die Schulsanitäter können unter professioneller Anleitung Hilfe leisten. Zudem kann dieser mit der Präsentation eines Rettungswagens verbunden werden, so dass auch bei anderen Schülern Interesse an Erster Hilfe geweckt werden kann. Diese lebendige Begegnung stellt eine gute Möglichkeit dar, neue Mitglieder für den Schulsanitätsdienst zu gewinnen.